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Cafehaus am Wasser

Urlaub Freizeit
 
Ausflugslokal Riviera  
Das Gesellschaftshaus Grünau ist ein historisches Ausflugsrestaurant im Berliner Ortsteil Grünau.
Es wurde 1875 eingeweiht und steht seit 1991 leer. Eine Sanierung des denkmalgeschützten Ensembles blieb bisher aus


Geschichte
Ende des 19. Jahrhunderts entstehen Ausflugslokale
Zusammen mit der schnell wachsenden Bevölkerung von Berlin nach der Gründung des Deutschen Reichs  entwickelten sich die Bedürfnisse für eine abwechslungsreiche  Gestaltung der Freizeit. Im Umland der deutschen Hauptstadt entstanden  neue Wohnviertel, Einrichtungen für den Wassersport, eine Regattastrecke im Jahr 1880 und „Vergnügungsetablissements“. Im Rahmen dieser Entwicklung gründeten sich an der Dahme (die zur damaligen Zeit auch Wendische Spree genannt wurde) Klubs für Ruderer, Paddler, Segelbootfahrer und ließen die zugehörigen Bootshäuser  errichten. Für das leibliche Wohl der Besucher und Sportler eröffneten  zum Ende des 19. Jahrhunderts mehrere Ausflugslokale, darunter das Gesellschaftshaus Grünau und die Riviera (Nummern 20/21 und 22 in der Friedrichstraße) sowie weitere wie das Wirtshaus Richtershorn, oder das Restaurant Sportpark in der Straße Am Langen See[3] (die Regattastraße entstand erst im Jahr 1935 durch Zusammenführung dreier Straßen).
Erster Besitzer des Anwesens wurde Wilhelm Ohlrich.[4] Für die bauliche Gestaltung hat es möglicherweise einen Wettbewerb gegeben, denn im Archiv des Architekturmuseums der Technischen Universität Berlin befinden sich Wettbewerbsentwürfe zu einem Gesellschaftshaus Berlin, eingereicht von Paul Gerhardt. Nähere Angaben zur Lage oder zum Auftrag sind nicht enthalten.[5] Das Gesellschaftshaus und die Umbauten der daneben vorhandenen Riviera werden dem Architekten Otto Gerth zugeschrieben (wohl aber erst die in den 1920er Jahren durchgeführten Änderungen).
Bis in die 1920er Jahre blieb die Liegenschaft im Besitz der Familie  Ohlrich, denn im Jahr 1922 hieß es im Adressbuch: Eigentümer  O(h)lrichsche Erben, Betreiber (Pächter und damit Verwalter) Gastwirt  Max Schüler.[8]
Unmittelbar am Ufer gab es Stege für Ruder- und Segelboote, mit denen  die Besucher kommen konnten. International bekannte Sänger oder Musiker  traten auf der Bühne auf, so beispielsweise die russische  Orchestervereinigung Nowoje Slowo („Neues Wort“) im Jahr 1935.[9] Es ist gut vorstellbar, dass die Gaststätte während der Olympischen Sommerspiele  in Berlin, als die Wassersportwettkämpfe in Grünau stattfanden, einen  Boom erlebte. In diversen Reisehandbüchern (unter anderem dem Baedeker)  wurde das Gesellschaftshaus in Grünau den Berlin-Besuchern empfohlen  („14 km vom Berliner Stadtzentrum, Restaurant, Garten,  Dampferanlegestelle“).[10]
Ab den 1940er Jahren Eigentümerwechsel
Im  Jahr 1943 befand sich das Ausflugsetablissement im Eigentum (=E) des  Gastwirts H. Liebing, der im Berliner Stadtzentrum wohnte.[11] Unmittelbar gegenüber auf der anderen Straßenseite (Nummer 168) hatten sich die Deutsche Arbeitsfront, Ortsgruppe Grünau, sowie ein Amt für Volkswohlfahrt und die NSDAP-Ortsgruppe Grünau, in einem ehemaligen Kolonistengehöft eingerichtet. Diese Immobilie war ebenfalls im Besitz von H. Liebing.[12]
Im Internet wird eine 25-(Pfennig-)Münze mit der Prägung Gesellschaftshaus Grünau  angeboten. Es scheint sich dabei weder um eine Gedenkmünze noch um ein  offizielles Zahlungsmittel zu handeln. Wahrscheinlich hatten die  Betreiber eine Art Privatgeld nur für die Benutzung in dem  Vergnügungslokal herausgegeben. Ein Jahr ist auf dem Geldstück nicht  vermerkt.[13]
Aus einer Veröffentlichung des Jahres 2013 geht hervor, dass in der NS-Zeit die Organisation Kraft durch Freude Träger der Ausflugslokale Gesellschaftshaus und Riviera gewesen sein soll.[14] Das Bauwerksensemble überdauerte die beiden Weltkriege. Hier fanden jahrelang Familien-, Vereins- und Werkfeiern, Bälle und Musikveranstaltungen statt.
Besucheransturm im Gesellschaftshaus Grünau zu Pfingsten im Jahr 1957; Gartenbereich
Gut besuchter Freiluftbereich des Gesellschaftshauses an einem Sonntag im Jahr 1968
In der DDR-Zeit blieb der Name der Einrichtung erhalten, ihre Bewirtschaftung erfolgte durch die HO. Es war wieder eine gut besuchte Ausflugsgaststätte, auch weil die Fahrgastschiffe der Weißen Flotte  hier anlegten. Die Räumlichkeiten wurden darüber hinaus für  gesellschaftliche, sportliche oder kulturelle Anlässe benutzt, unter  anderem erfolgte an diesem Ort am 27. März 1953 die Namensgebung der Sportvereinigung Dynamo.[15]  Im Jahr 1960 feierte der Berliner Schachverband im Gesellschaftshaus  Grünau und nahm hier auch die Auszeichnung der „Sportler des Jahres“  vor.[16] Bis zu 500 Personen konnten bewirtet werden. Die Außengestaltung der Gebäude wurde in dieser Zeit durch Verputzen  und Abbau der Türmchen stark verändert. Auf der Bühne des Hauses traten  Varietés und Einzelkünstler auf, die meist über Grünau hinaus bekannt  waren.

Nach 1990: Schließung und Verfall
Nach der Wende und der Auflösung der HO ging die Immobilie in den Besitz des Bundes und damit an die Treuhandanstalt  bzw. deren Nachfolgeeinrichtung, den Liegenschaftsfonds. Die  Bewirtschaftung wurde aufgegeben, die Häuser geschlossen. Für den Erhalt  des seit 1991 leer stehenden Gebäudes ist seitdem der Bezirk (seit  2001: Treptow-Köpenick) verantwortlich. Eine kurzzeitige Belebung des Grundstücks erfolgte, als im August 2000 ein Biergarten eröffnete, der jedoch bereits im Oktober wieder schließen musste.[18] Im Jahr 2006 fand sich nach einer Ausschreibung eine türkische Unternehmerin aus Ankara,  die das Bauensemble aus Gesellschaftshaus und Riviera mit den  Grundstücken bis auf einen sechs Meter breiten Uferstreifen kaufte. Der  Kaufpreis soll 650.000 Euro betragen haben. Sie beabsichtigt, dort ein  Kongresshotel als siebengeschossigen Turmbau zu eröffnen und/oder  Wohnvillen für Eigentümer zu errichten. Konkrete Bauanträge liegen dem  Bauamt nicht vor, eine zuvor beantragte Abrissgenehmigung wurde wegen  des Denkmalschutzes abgelehnt.[19]  Mehrfach, zuletzt Ende des Jahres 2013, hat das Bezirksamt die  Besitzerin aufgefordert, „Maßnahmen zum Schutz des Gebäudes vor weiterem  Verfall“ einzuleiten.[20]
Gesellschaftshaus im April 2014
Weil bis Januar 2014 nichts passiert war, wollte der Bezirk  Handwerkeraufträge zur Reparatur der kaputten Dächer beider Häuser und  für den sicheren Verschluss der Türen und Fenster ausschreiben (eine Ersatzvornahme veranlassen). Die entstandenen Kosten von rund 40.000 Euro[21]  wurden der Besitzerin in Rechnung gestellt. Im Sommer des gleichen  Jahres wurde bekannt, dass die Eigentümerin nach Gerichtsurteilen und  mehrstündigen Gesprächen mit dem Bezirksamt notdürftige Maßnahmen  eingeleitet hat, um weiteren Verfall und Vandalismus aufzuhalten. Die  demolierten Fenster und Türen wurden mit Spanplatten  verschlossen (vorgesehen war die Anbringung von Lochplatten, um die  Luftzirkulation zu ermöglichen, die einer Schimmelbildung vorbeugt). Die  vereinbarten Fristen für Dachdeckerarbeiten, für eine Sanierung der  Regenrinnen und für die sorgfältige Abnahme vorhandenen Stuckzierrats  wurden nicht eingehalten. Die Bezirksverantwortlichen werden, nachdem  das Gericht über die Nichteinhaltung der Vereinbarungen informiert ist,  nun doch (wie schon zuvor angekündigt) die Sicherungsarbeiten an  Baufirmen vergeben und die Rechnungen dann weiterreichen.[22]
Aus etlichen im Internet kursierenden Amateurvideos geht hervor, dass  sowohl das Parkett als auch die Kronleuchter entfernt wurden. Einen  Großteil der Innenwände verzierten die illegalen Besucher mit Graffiti.  Baufachleute schätzen, dass die denkmalgerechte Sanierung des Gebäudes  etwa 15 Millionen Euro kostet, was „für uns nicht zumutbar ist“, wie der  in Potsdam lebende Bruder der Besitzerin mitteilte.[23]  Aus den Tatsachen schlussfolgern Bauexperten und Wirtschaftsfachleute,  dass die Tatenlosigkeit beabsichtigt ist, um das Zusammenbrechen des  Ensembles abzuwarten. Damit hätte sich der Denkmalschutz erledigt.
Im November 2015 fand eine Gerichtsverhandlung auf Grund einer Klage  der Eigentümerin gegen den Bezirk statt, bei der es zwar hauptsächlich  um die Riviera ging, doch der Richter appellierte nachdrücklich an beide  Seiten, zu einem Kompromiss zu finden, der entsprechend eines  Vorschlags der Eigentümerin darin bestehen könnte, für den vertraglich  zugesagten Erhalt des Riviera-Saals und der Anlage eines öffentlichen  Uferweges über beide Grundstücke im Gegenzug das Baurecht für die  Immobilie Gesellschaftshaus zu erteilen.[24]

Architektur
Das  Gesellschaftshaus besteht aus zwei parallel zueinander angeordneten  Ziegelbauten mit rechteckigem Grundriss, die Elemente des Jugendstils und des Klassizismus  zeigen. Sie waren mit Klinkern und simuliertem Fachwerk verblendet. Der  Gebäudeteil an der Straße ist dreistöckig und beherbergte im Hochparterrebereich eine Gaststätte. Deren Decke und Wände hatte der Architekt in einem Mischstil aus Neubarock und Jugendstil gestaltet, ebenfalls ein weiteres Zimmer, das Bilderzimmer. Hier befanden sich zwei Gemälde von Max Gärtner – Hochzeitspaar und Musikanten in mittelalterlicher Stadt. Das Wohn- und Gaststättengebäude ist siebenachsig angelegt und mit einem Satteldach abgeschlossen. Dahinter zum Ufer hin befindet sich das Saalgebäude, dessen Herz ein neun Meter hoher Ballsaal ist. Er war mit Kronleuchtern, Rundbogenfenstern, Logen und ebenfalls reichen Stuckarbeiten geschmückt.[25] Im Untergeschoss des Hauses befanden sich die Wirtschaftsräume.
Beide Gebäude ließ der Eigentümer um das Jahr 1900 durch angebaute Veranden zusammenfassen, deren Ecken mit Ziertürmchen betont wurden.[26] Darüber hinaus wurden ein Gartenbereich mit Kastanien gestaltet und drei Kegelbahnen errichtet.
von WIKI
Bunker-Brandenburg.de  neu 2019
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